Schwindeldiagnostik

Orientierende Gleichgewichtsprüfung

Bei der Untersuchung des Gleichgewichts wird mit verschiedenen Methoden die Funktion des Gleichgewichtssinns überprüft. So kann u.a. geklärt werden, ob der Schwindel durch Störungen des Gleichgewichtsorgans (Vestibularapparat) bedingt ist. Hier sind einige der möglichen Testverfahren aufgeführt:

Beim Romberg-Versuch muss der Patient u.a. mit geschlossenen Augen auf beiden Beinen stehen. Zeigt er dabei eine Neigung zu fallen, liegt vermutlich eine Störung des Gleichgewichtssinns vor.

Beim Tretversuch nach Unterberger muss der Patient mit geschlossenen Augen 1-3 Minuten auf einer Stelle marschieren. Weicht der Patient bei 50 Schritten um mehr als 45° ab, gilt das Ergebnis als auffällig.

Bei einem so genannten Zeigeversuch hält der Patient z.B. mit geschlossenen Augen beide Arme waagrecht von seinem Körper weg. Daraufhin muss er versuchen, mit einem Zeigefinger auf die Nasenspitze zu tippen. Oder aber Arzt und Patient sitzen sich mit gerade ausgestreckten Armen gegenüber. Dann muss der Patient mit geschlossenen Augen die Arme heben und die Fingerspitzen des Arztes wieder treffen. Je nachdem, wie diese Tests ausfallen, können erste Rückschlüsse auf mögliche Störungen des Gleichgewichtsorgans gezogen werden.

Vestibularisprüfung

Zur weiteren Diagnose erfolgen Untersuchungen des so genannten Nystagmus: Unwillkürliche, rhythmische Augenbewegungen, die Hinweise auf die Ursachen des Schwindels geben können. Hierzu gehört beispielsweise die kalorische Spülung, bei der die Gehörgänge einzeln einmal mit kalter und einmal mit warmer Luft, alternativ mit kaltem und warmem Wasser gespült werden. Sie ist die wichtigste Methode zur seitengetrennten Überprüfung des peripheren Gleichgewichtsorgans. Die Temperaturveränderung bewirkt eine Flüssigkeitsbewegung in den Bogengängen, die wiederum einen Nystagmus auslöst. Dieser wird über eine Videobrille oder elektrisch registriert, kann aber auch optisch beobachtet und ausgezählt werden.

Beim Drehstuhl-Test sitzt der Patient mit einer Video-Brille auf einem drehbaren Stuhl und wird 20-30 Sekunden lang in eine Richtung gedreht. Dabei werden seine Nystagmen aufgezeichnet. Dann geht die Drehung in die andere Richtung, für die gleiche Zeit wie zuvor. Auch dabei werden die Nystagmen notiert. Schließlich werden Ergebnisse der beiden Drehrichtungen miteinander verglichen. Natürlich muss auch das Gehör geprüft werden, da das Gleichgewichts- und Hörorgan ihre Signale über den gleichen Nerv (Nervus vestibulocochlearis) zum Gehirn weiterleiten.

Bei der Posturographie steht der Patient auf einer Platte, die feinste Verlagerungen des Körpergewichtes registriert. Das Schwankungsmuster wird graphisch dargestellt und ausgewertet. Dann wird die Untersuchung mit geschlossenen Augen und auf einem weichen Kissen stehend wiederholt. Aus dem Gesamtbild läßt sich auf die Ursache des Schwindels schließen. Auch das Risiko, aufgrund des Schwindels zu stürzen, kann ermittelt werden.

Die Posturographie läßt sich neben der Untersuchung auch für therapeutische Zwecke nutzen.

Weitere Untersuchungen können je nach Befund sinnvoll sein: Hörprüfungen, Hörnervenuntersuchung, schlafmedizinische Untersuchung (Polygraphie), orthopädische Untersuchung, augenärztliche Untersuchung, neurologische Untersuchung, bildgebende Verfahren (MRT, DVT, CT).

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